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Compliance und CSR

CSR 2.0

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Compliance wird zum zentralen Bestandteil von CSR

Weit ist der Weg von Stockholm nach Dhaka. Doch für den schwedischen Modekonzern Hennes & Mauritz (H&M) werden die Unfälle in Produktionsstätten in Bangladesch zu einem zunehmenden Problem – und Bangladeschs Hauptstadt Dhaka rückt immer näher. Dort ereignete sich am 8. Oktober ein Großbrand in einer Produktionsstätte.

H&M gibt an, man habe in der Fabrik nicht produziert. Allerdings entdeckten Reporter vor Ort Aufträge in einem Order-Buch. 2010 starben bei einem Brand in der Fabrik Garib & Garib in Bangladesch 21 Arbeiter. H&M zahlte Entschädigung – und hat die Fabrik inzwischen wieder in Betrieb genommen.

Schwere Versäumnisse wie die fehlende Verantwortung von H&M für seine Lieferantenkette lassen unweigerlich Fragen nach der Kontrolle durch ein Compliance-System laut werden. Compliance bedeutet die Gesamtheit aller zumutbaren Maßnahmen, die das gesetzes- und regelkonforme Verhalten eines Unternehmens, seiner Organisationsmitglieder und seiner Mitarbeiter im Hinblick auf alle gesetzlichen Ge- und Verbote begründen. Darüber hinaus soll die Übereinstimmung des unternehmerischen Geschäftsgebarens auch mit allen gesellschaftlichen Richtlinien und Wertevorstellungen, mit Moral und Ethik gewährleistet werden.

Compliance kann mehr

So gesehen besteht die Hauptaufgabe von Compliance in der Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität – doch Compliance kann mehr. Schon heute gibt es bereits Unternehmen, die Compliance-Kommunikation als wichtigen Bestandteil ihrer CSR-Strategie ansehen. Für Unternehmen wie RWE, Deutsche Bahn, Deutsche Telekom oder inzwischen auch Siemens ist Compliance ein integraler Aspekt ihrer CSR-Philosophie. Auch in der Kommunikation dieser Unternehmen spielt Compliance eine immer größere Rolle – wahlweise als eigenständiger Compliance-Bericht oder als Teil einer erweiterten Geschäfts- oder Nachhaltigkeitsberichterstattung. Der Bericht kann in den Disziplinen Investor Relations, Employer Branding und Public Affairs zu einem effizienten Stakeholder-Dialog beitragen. Investoren erkennen durch den Bericht, dass das Unternehmen über ein funktionierendes Compliance-Management-System (CMS) verfügt und haben daher eine höhere Sicherheit für ihre Investitionen und ein geringeres Risiko für Prozesse. Auch potentielle Arbeitnehmer und Bewerber interessieren sich zunehmend, ob ein Unternehmen faire Löhne zahlt und beispielsweise im Ausland gute Arbeitsbedingungen bietet. Politiker fordern, dass Unternehmen Verantwortung für ihre Lieferantenketten übernehmen und Gewinne nicht auf Kosten von schlechten Arbeitsbedingungen für Arbeitnehmer im Ausland machen.

Fehlende Compliance als Reputationsrisiko

Der Zusammenhang zwischen Compliance und Reputation spielt für CSR 2.0 eine wichtige Rolle. Dies belegt auch eine aktuelle Studie des Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmens ACE-Group. Compliance hat für viele Unternehmen aller Größen eine neue Bedeutung gewonnen, und sie sind sich der engen Verbindung zu ihrer Reputation stärker bewusst.

Das heißt in der Konsequenz auch, dass Compliance-Berichte in Zukunft von zentraler Bedeutung für die CSR-Berichterstattung sein werden – oder diese gar ganz ersetzen werden. In einer Unternehmensrealität, in der legal compliance zu einer immer wichtigeren Management-Frage wird, führt daran sicher kein Weg vorbei. Umgekehrt gilt aber auch: Unternehmerische Verantwortung lässt sich nicht herbeiregulieren. Sie muss in vielfältiger Hinsicht Teil der Unternehmenskultur sein – hier gibt es viel zu tun für Unternehmenskommunikatoren.

Gerade Textilunternehmen stehen dabei unter einem besonderen öffentlichen Druck, das zeigt unter anderem eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens McKinsey. Bangladesch ist demnach auch in den nächsten fünf Jahren weiterhin Wachstumsstandort Nummer 1 – ohne realistische Alternative für die Textilproduktion. Laut der Studie nimmt Sicherheit und Nachhaltigkeit für die Einkaufschefs an Bedeutung zu. In Bangladesch hat die Industrie aktuell das Thema Compliance als größte Herausforderung identifiziert. Ein Großteil der Unternehmen habe bereits die Sicherheitsstandards erhöht. In Stockholm und anderswo scheint die Botschaft aus Dhaka demnach angekommen zu sein.

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Autor: Daniel Konrad

Daniel Konrad ist Seniorberater bei FleishmanHillard und verantwortet Eigen-PR und Eigen-Marketing der Agentur. Er verfügt über sieben Jahre Erfahrung in der Unternehmenskommunikation. Seine Schwerpunktthemen sind Reputation Management, Litigation-PR und Compliance-Kommunikation. Daniel Konrad schreibt auch auf seinem Blog wortgewaltigst!.

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