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Hier bloggt FleishmanHillard in Deutschland über PR, Marketing, Public Affairs und Digitale Kommunikation

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Eine Frage der richtigen Kultur

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Compliance muss als gelebte Wertepraxis Teil der Unternehmenskultur werden

Bis vor einem halben Jahr war die private Krankenversicherung Debeka kaum in der Bevölkerung bekannt. Das hat sich geändert. Zwar sind nur rund 10 Prozent der Bundesbürger privat krankenversichert, und die Debeka hat in dieser Gruppe einen Marktanteil von ca. 15 Prozent. Doch durch verschiedene Compliance-Verstöße ist das Unternehmen in die Schlagzeilen geraten.

Die größte Kundengruppe der Debeka sind die Beamten. Damit dies auch so blieb, hatte das Unternehmen ein System von Hinweisgebern in Behörden, Schulen etc. etabliert. Durch diese inoffiziellen Mitarbeiter erfuhr das Unternehmen frühzeitig, wer zur Verbeamtung vorgesehen war und konnte der Person entsprechende Angebote unterbreiten. Nachdem das Handelsblatt das System der “Vertrauensmitarbeiter” im Dezember letzten Jahres aufgedeckt hatte, begann die Staatsanwaltsanwaltschaft Koblenz ihre Arbeit. Den Vorstandsmitgliedern um den Vorsitzenden Uwe Laue droht ein Bußgeld von bis zu einer Million Euro. Der Debeka droht außerdem ein Bußgeld von bis zu zehn Millionen Euro.

Fehlverhalten oder Kavalierdelikt 

Wenn Ermittlungsbehörden in  Unternehmen ein systematisches Fehlverhalten in Bezug auf Compliance entdecken, hat dies seinen Ursprung oftmals in der Unternehmenskultur. Damit ist der kommunikative und kulturelle Nukleus einer Firma gemeint. Er beinhaltet die praktisch gelebten Verhaltensweisen eines Unternehmens und seiner Mitarbeiter. Hier entscheidet sich, ob das individuelle Fehlverhalten als Kavaliersdelikt behandelt oder durch den Chief Compliance Officer (CCO) geahndet wird. Darüber hinaus schädigt es die Reputation eines Unternehmens. Investoren fürchten Strafen und Klagen. Potentielle Mitarbeiter suchen ein “sauberes Unternehmen”. Compliance-Verstöße schrecken sie ab.

Um Compliance zu verankern und Reputationsschäden zu vermeiden, sollte ein Unternehmen die Compliance-Kommunikation verstärken. Dabei hilft der FH PIKE-Ansatz:

Priorisieren

Die Relevanz des Themas sollte  durch „Tone from the top“ gesteigert werden. Der CEO bekennt sich zu Compliance und verdeutlicht den Mitarbeitern damit deren Bedeutung. Gleichzeitig stärkt dies die interne Rolle des CCOs. Ziel ist es, ihn als Ratgeber, der in juristisch unklaren Situationen Hilfestellung bietet, zu positionieren und nicht als „Watchdog“.

Implementieren

In der Firma wird ein Werteprogramm etabliert, das kaskadenförmig von den Führungskräften an die Mitarbeiter weitergegeben wird. Die Werte werden im Unternehmen gemeinsam entwickelt. Compliance bedeutet mehr als das sture Befolgen von Regeln. Es ist eine gelebte Wertepraxis. Dazu müssen auch die Silos HR, Recht und Kommunikation eingerissen und besser vernetzt werden. Zu einem effektiven Compliance-Management-System gehört auch eine wirksame, praktizierte Sanktionspraxis.

Kultivieren

Compliance muss natürlicher, selbstverständlicher Teil der Unternehmenskultur werden.  Damit muss das Thema auch seinen Platz in der CEO-Kommunikation haben. Ein interner Newsletter sowie weitere Elemente interner Kommunikation helfen dabei das Thema Compliance im Arbeitsalltag zu verankern und zu kultivieren. Dabei sollte der CCO stets zum Thema Compliance informieren und eine offene Tür für Mitarbeiter und ihre Anliegen haben.

Evaluieren

Jede Kommunikationsmaßname sollte auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden. Das gilt auch für die Compliance-Kommunikation. Regelmäßige Evaluationstool helfen, den Erfolg der Maßnahme zu messen. Gegenfalls müssen einige Maßnahmen nachjustiert werden, um das Ergebnis zu verbessern.

Compliance-Kommunikation trägt zur Sensibilisierung und zur Aktivierung der Mitarbeiter für das Thema bei. Sie ist damit ein wirksames Intrument zur Prävention und trägt zur Steigerung der Reputation bei. Kommunikation spielt eine Schlüsselrolle bei der Implementierung des Compliance-Management-Systems. Diese Erfahrung wird auch das Unternehmen Debeka nach den Verstößen der Vergangenheit machen. Denn ein wirksames Compliance-Management ist eine Frage der richtigen Kultur.

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Autor: Daniel Konrad

Daniel Konrad ist Seniorberater bei FleishmanHillard und verantwortet Eigen-PR und Eigen-Marketing der Agentur. Er verfügt über sieben Jahre Erfahrung in der Unternehmenskommunikation. Seine Schwerpunktthemen sind Reputation Management, Litigation-PR und Compliance-Kommunikation. Daniel Konrad schreibt auch auf seinem Blog wortgewaltigst!.

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