True Affairs

Hier bloggt FleishmanHillard in Deutschland über PR, Marketing, Public Affairs und Digitale Kommunikation

Pater noster, hilf! Oder: Das Ende des Elevator-Pitches?

| Keine Kommentare

Sie rumpeln, knarren, laufen unendlich und bringen uns zum Hüpfen: Einige wenige hundert Paternoster-Aufzüge gibt es noch in Deutschland. Jetzt will die Große Koalition ihre Nutzung nur noch „eingewiesenen Mitarbeitern“ erlauben.

Warum das? Wurden Millionen von Fahrstuhlfahrern jahrzehntelang willkürlich Gefahren ausgesetzt? Stieg die Zahl der Arbeitsunfälle? Führten wir womöglich der Wirtschaft irreparablen Schaden zu? Und abschließend: Haben wir keine anderen Probleme?

Die Regulierungswut der Deutschen ist sprichwörtlich. An vielen Stellen vermutlich sogar sinnvoll. Aber der „Führerschein für Paternoster“ spricht Emotionen an: In Berlin wurden bereits Paternoster besetzt, um gegen die unsinnige Verordnung zu demonstrieren. Auch in München sperrt man sich gegen die preußische Idee einer Mitarbeiter-Schulung für die Fahrstuhlnutzung. Ja, wo sammer denn?

Auch das Münchner Büro von FleishmanHillard liegt in einem Gebäude mit einem der letzten noch in Betrieb befindlichen Paternoster. Aber, Überraschung!, bisher ist keiner meiner Kollegen zu Schaden gekommen! Im Gegenteil: Das sanfte Ruckeln ist uns und unsere Gäste immer ein Vergnügen. Vielmehr ist die Fahrt sogar ein „Icebreaker“ und toller Gesprächsaufhänger: „Sind Sie schon mal damit gefahren?“, „Meinen ersten Paternoster hab ich … erlebt!“, „Achtung, jetzt springen! Ich komm‘ dann gleich nach!“… So oder so ähnlich beginnen die Gespräche, die wir fast täglich vor dem Paternoster führen. Wie ungleich langweiliger ist da eine Fahrt in einem herkömmlichen Fahrstuhl?

Nicht zuletzt aber auch noch ein ganz intimer Meeting-Raum. Denn mehr als zwei Personen passen in die kleinen Kabinen nicht hinein! Vier-Augen-Gespräche kann man herrlich im Paternoster führen. Und aussteigen muss man ja sowieso nicht. Denn der Paternoster läuft und läuft und läuft…

Sicher, wer schon mal wie ich beim Ein- oder Ausstiegsversuch herumgeeiert ist, weiß, dass Paternoster-Fahren eine Herausforderung ist. Vor allem ist der rumpelnde Fahrstuhl aber ein wunderschöner Anachronismus – genau wie Kirchturmuhren oder Festnetzanschlüsse. Keiner braucht sie, aber so richtig loslassen wollen wir von liebgewonnenen Gewohnheiten doch nicht in unserer schnelllebigen Zeit.

Vielleicht liegt meine Begeisterung für Paternoster in meinem Beruf: Wir PR-Leute haben ja ohnehin seit jeher ein ganz besonders enges Verhältnis zu Fahrstühlen: Der so genannte „Elevator-Pitch“ hat schon manchen von uns zur Verzweiflung gebracht. Wie kann man seine Message so kurz und knackig rüberbringen, dass sie idealerweise in einen Zeitraum passt, der einer Fahrt von einem Stockwerk zum nächsten entspricht. Denn viel mehr Zeit haben wir PR-Leute selten, wenn wir ein Thema, eine Idee, ein Interview an Journalisten pitchen wollen…

Ich jedenfalls werde den Münchner Paternoster vermissen. Denn dies ist mein Abschieds-Blog-Post im True Affairs-Blog von FleishmanHillard. Nach sieben Jahren verabschiede ich mich zu neuen Ufern. Bleibt mir Sie herzlich einzuladen, eine Runde Paternoster mit meinen Münchner Kolleginnen und Kollegen zu fahren, solange Sie noch dürfen!


Julia Richter war sieben Jahre Berater bei FleishmanHillard. Zuletzt beriet sie als Vice President Kunden wie SAP, Avaya, Xerox und Infiniti. Außerdem verantwortete sie den True-Affairs-Blog und unseren FH-Twitter-Account. Wer ihr weiterhin folgen will, besucht sie einfach auf ihrem Twitter-Profil. Und natürlich darf sie uns jederzeit besuchen, um Paternoster zu fahren!

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.