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#rpTEN – Knackige Überschrift mit Hashtag, Buzzword und ihr wisst schon

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Hate Speech, TTIP-Leaks, Design Thinking Sessions und Podiumsgespräche mit EU-Kommissaren: Auf der re:publica – der mittlerweile 10. Auflage der Konferenz für die digitale Zukunft – wurde dieses Jahr auf insgesamt 17 Bühnen mit rund 770 SprecherInnen eine für mich als Ersti etwas überwältigende Auswahl geboten.

Vor Snapchat kapitulieren?

Vor allem der außerhalb der digitalen Zunft stattfindende Snapchat-Hype zog sich durch die eigentlich als zukunftsweisend geltende Konferenz. Warum dieses gar nicht mehr so neue soziale Netzwerk junge Menschen so in ihren Bann zieht – das wussten auch die selbsternannten Experten nicht zu beantworten, ließen sich von Schülern das Medium erklären und forderten dann ein Pendant für Erwachsene. Immerhin gestand Urgestein Sascha Lobo den Anwesenden zu, vor allen anderen gewusst zu haben, dass man die Funktion und Faszination der Selfie-Livestream-App nicht verstehen kann. Wir kennen das in der Agentur auch: Ist so eine Produkterwähnung in der Snapchat Story eines Influencers wirklich einflussreicher als ein Spot im Werbeblock zwischen Verdachtsfälle und Betrugsfälle?

Kritische Auseinandersetzung mit Viralität und ihren Folgen

Die Buzzwords des „Evangelischen Pfingstlagers“ (Prof. Dr. Bernhard Pörksen) wurden um ein anderes altbekanntes ergänzt: Storytelling. Pörksen war es denn auch, der in einem sehr kurzweiligen Vortrag Stories auf drei Eigenschaften reduzierte: archetypische Aktualität, mindestens ein starkes Symbol sowie genügend Raum für die Fantasie der Rezipienten. Doch re:publica wäre nicht re:publica, wenn nicht auch Kritik geübt würde und so benannte der Professor von der Universität Tübingen gleich noch drei Problematiken der Viralität: die plötzliche Dominanz einer einzelnen Geschichte (s. The Dress), Recycling guter Stories als Geschäftsmodell (Stichwort: Clickbait) sowie Hysterisierung, die entsteht, wenn unterschiedliche Rezeptionen einer Geschichte im Netz plötzlich aufeinanderprallen. Schließlich blieben diese divergierenden Ansichten in der internetfreien Gesellschaft noch recht säuberlich getrennt.

Ich glaube aber, ein wenig Hysterie sollten wir dennoch aushalten können, wenn dafür überhaupt andersartige Meinungen im gesellschaftlichen Diskurs aufeinander treffen.

Die negativen Seiten dieses Aufeinanderprallens zeichnete Kübra Gümüşay in ihrem bewegenden Appell nach. Sie forderte – teilweise unter Tränen – „organisierte Liebe“ gegen den ganzen Hass im Internet. Denn erschreckenderweise sind seine Vertreter weitaus besser vernetzt als die positiven Stimmen für Vielfalt in Deutschland. Die kollektive Gänsehaut im Publikum war beinahe greifbar.

Insgesamt nahmen laut Organisationsteam mehr als 8.000 Menschen aus 60 Ländern teil. Die Station in Berlin wirkte dann auch irgendwie platztechnisch überfordert (Lest dazu auch unbedingt auf dem Oseon Blog zu den „Wachstumsschmerzen der re:publica“!) und förderte ein urdeutsches Urlaubsklischee: Wer nicht rechtzeitig das Handtuch auf den Stühlen ausbreitet, muss leider draußen bleiben. Da tröstete es bei manchen Veranstaltungen dann auch wenig, dass es Videoaufzeichnungen gab. Die wenigsten betreiben wohl Binge Watching zum Feierabend, um verpasste re:publica Sessions nachzuholen und ohne die Interaktion und die spürbare Stimmung im Publikum sind die meisten Vorträge eben doch nur halb so spannend.

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Autor: Anne Beutel

Anne Beutel ist Digital-Beraterin bei FleishmanHillard und dort vor allem für Social Media Monitoring, Krisenkommunikation und Analysen zuständig. In ihrer Freizeit besucht sie BarCamps oder erkundet die besten Restaurants in ihrer Heimatstadt Frankfurt.

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